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Bad Berka

Unsere Geschichte

Historische Entwicklung des Feuerlöschwesens in Bad Berka. Die Geschichte des organisierten Brandschutzes in Bad Berka reicht weit über das offizielle Gründungsjahr 1883 hinaus. Bereits im Mittelalter kam es zu verheerenden Bränden, die die Notwendigkeit geregelter Schutzmaßnahmen deutlich machten. So wurde Berka im Jahr 1431 nahezu vollständig zerstört. 1608 vernichtete ein weiterer Großbrand 44 Häuser sowie zentrale öffentliche Gebäude. Der schwerste Brand der Stadtgeschichte ereignete sich 1816, als innerhalb einer Nacht 90 Wohnhäuser, zahlreiche Wirtschaftsgebäude sowie Rathaus und Schule den Flammen zum Opfer fielen.

1674

Eine erste verbindliche Regelung zum Brandschutz findet sich 1674 in einer Feuerordnung innerhalb der Stadtstatuten. Darin wurden Zuständigkeiten festgelegt sowie die Bereitstellung und sichere Aufbewahrung von Löschgeräten geregelt. Ein bedeutendes technisches Zeugnis dieser frühen Zeit ist die 1793 angeschaffte Tragrohrspritze, die bis heute erhalten ist.

1864

Im 19. Jahrhundert erfolgte eine grundlegende organisatorische Weiterentwicklung. 1864 bildete sich in Berka eine freiwillige Turnerfeuerwehr, die neben der bestehenden Pflichtfeuerwehr tätig war. Mit der Gründung des Thüringer Feuerwehrverbandes im Jahr 1868 wurden Ausbildung, Technik und Organisation des Löschwesens landesweit stärker vereinheitlicht. Ein entscheidender Schritt folgte 1881 mit dem Erlass eines neuen Feuerlöschgesetzes durch Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. Jede Gemeinde wurde verpflichtet, eine ausgerüstete und ausgebildete Feuerwehr vorzuhalten.

1883

Das Jahr 1883 gilt als offizielles Gründungsjahr der Feuerwehren in Bad Berka sowie in mehreren Ortsteilen wie Tannroda, Tiefengruben, Bergern, Meckfeld und Gutendorf. Schoppendorf hatte seine Wehr bereits 1882 organisiert. In dieser Zeit wurde das Feuerlöschwesen neu strukturiert und die freiwilligen Kräfte in die Gemeindefeuerwehr integriert. Zwischen 1884 und 1886 wurden moderne fahrbare Handdruckspritzen angeschafft, die die Leistungsfähigkeit deutlich erhöhten.#

1899-1907

Der Großbrand von 1899 in Kranichfeld, bei dem mehr als 50 Häuser zerstört wurden, zeigte die Bedeutung überörtlicher Zusammenarbeit. Um die technische Ausstattung weiter zu verbessern, wurde 1904/05 in Bad Berka eine Hochdruckwasserleitung errichtet. Ihre Wirksamkeit bewies sie bereits 1906 beim Brand mehrerer Scheunen am Klosterberg, als ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Wohnhäuser verhindert werden konnte. 1907 zerstörte ein weiteres Großfeuer Teile des Marktes in Tannroda.

1927-1935

1927 wurde in Bad Berka die Freiwillige Feuerwehr offiziell gegründet und löste damit die Pflichtfeuerwehr ab. Zur finanziellen Absicherung wurde 1929 ein Feuerschutzbeitrag eingeführt. 1935 konnte schließlich ein neues Gerätehaus am Zeughausplatz eingeweiht werden, das verbesserte Einsatzbedingungen bot.

1945-1966

Nach 1945 entwickelten sich neben den kommunalen Wehren auch Betriebsfeuerwehren, unter anderem 1954 in der Zentralklinik. Der Großbrand des Sägewerks Oschatz am 16. Juli 1958 stellte eine der größten Herausforderungen der Nachkriegszeit dar. In den 1960er Jahren wurde die Nachwuchsarbeit intensiviert; 1966 gründeten sich Frauengruppen in Bad Berka und Schoppendorf, später auch in weiteren Ortsteilen.

1964-1972

Die Modernisierung setzte sich mit Neubauten von Gerätehäusern fort, unter anderem 1964 in Schoppendorf, 1969 in Tannroda und 1972 in der Blankenhainer Straße in Bad Berka. Neue Einsatzfahrzeuge, darunter 1973 ein LF 16 und 1979 ein LO LF 8, verbesserten die technische Ausstattung erheblich.

1981

Eine besondere Bewährungsprobe stellte das Hochwasserjahr 1981 dar. Im März und August führten langanhaltende Regenfälle zum schwersten Hochwasser des 20. Jahrhunderts in der Region. Die Freiwilligen Feuerwehren waren über Tage hinweg im Dauereinsatz, um Menschen zu retten, Gebäude zu sichern und Schäden zu begrenzen.

1991

Mit der politischen Wende begann auch für das Feuerwehrwesen in Bad Berka eine Phase umfassender struktureller und technischer Erneuerung. Am 4. Mai 1991 wurde die Jugendfeuerwehr Bad Berka gegründet. Bereits zu Beginn engagierten sich 15 Jungen und Mädchen im Alter ab zehn Jahren. Unterstützung erhielten sie unter anderem von der Jugendfeuerwehr Erfurt sowie der Feuerwehr Friedrichsdorf.

1991-1992

Im Juli desselben Jahres finanzierte die Partnerstadt Bad Wildungen eine Drehleiter DL 30 auf W 50-Fahrgestell, womit die technische Leistungsfähigkeit erheblich erweitert wurde. Mit dem Thüringer Gesetz zur Neuregelung des Brand- und Katastrophenschutzes im Jahr 1992 wurden Struktur, Aufgaben und Pflichten der Stützpunktfeuerwehren neu definiert. Bad Berka erhielt den Status einer Stützpunktfeuerwehr für den Südkreis Weimar.

1996-1997

Am 20. September 1996 erfolgte der erste Spatenstich für ein neues Feuerwehrgerätehaus in der Kellnersbergstraße. Nach dem Richtfest im Dezember 1996 konnte das Gebäude am 17. Oktober 1997 feierlich eingeweiht werden. Mit einem Kostenaufwand von 3,88 Millionen D-Mark entstand ein modernes und technisch hervorragend ausgestattetes Feuerwehrstützpunkt des Kreises Weimarer Land.

1998

Am 17. Februar 1998 wurde die Wehr in den frühen Morgenstunden zu einem Brand in der Wilhelmsburg in der Trebestraße alarmiert. Ursache war Brandstiftung durch Manipulation an einer Gasleitung.

2001-2004

Mit dem Bau eines neuen Schlauchturmes im Jahr 2001 und der Installation einer modernen Schlauchwaschanlage festigte Bad Berka seine Stellung als technisch gut ausgestatteter Feuerwehrstandort im Kreisgebiet. Eine besondere überregionale Herausforderung stellte der Großbrand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar am 2. September 2004 dar. Als Stützpunktfeuerwehr war Bad Berka mit 26 Einsatzkräften, der Drehleiter und weiteren Löschfahrzeugen beteiligt. Zahlreiche wertvolle Kulturgüter aus 400 Jahren deutscher Geschichte – darunter historische Bücher, Handschriften und Kunstwerke – konnten gerettet werden. Für diesen Einsatz wurde die Feuerwehr Bad Berka am 4. November 2004 in Weimar mit dem Kulturpreis des Landes Thüringen ausgezeichnet.

Die Entwicklung des Feuerlöschwesens in Bad Berka ist damit geprägt von wiederkehrenden Katastrophen, technischen Innovationen und organisatorischen Reformen. Seit 1883 besteht eine kontinuierliche Tradition des organisierten Brandschutzes, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt und auf dem Engagement zahlreicher Generationen von Feuerwehrangehörigen beruht.